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Informationsveranstaltung des E-C-N 2013

„Von der Wissenschaft in die Praxis“

Die Informationsveranstaltung „Von der Wissenschaft in die Praxis“ am 11. und 12. April 2013 in Friedrichshafen bot neben der Hauptversammlung des E-C-N e.V. ein buntes Tagungsprogramm.

Veranstaltung

Den Auftakt zur Veranstaltung bildete die Hauptversammlung des gastgebenden Vereins ECN. Mitglieder und Gäste berieten u.a. über Wege einen Preis für ein ergonomisches Produkt auszuloben. Denn das Thema „Ergonomie“ ist, da waren sich die Teilnehmer einig, entsprechend seiner zunehmenden Bedeutung bei steigender Technologiepräsenz im Alltag in der Öffentlichkeit noch nicht hinreichend präsent. Dass die Frage der Ergonomie von Produkten keine müßige Spielerei ist, sondern über Gesundheit und auch mal über Leben oder Tod entscheidet, wurde dann bei den Vorträgen ganz deutlich.

Ergonomie in der Wissenschaft

So berichtete Prof. Dr. Dipl.-Ing. Jürgen Held von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd über folgenschwere Auswirkungen ergonomischer Fehlentscheidungen von Mensch-Maschine-Schnittstellen im medizinischen Bereich. Wenn Herz-Lungen-Maschinen die Benutzer überfordern, die Bedienelemente von Operationsrobotern ungünstig angeordnet sind, kann Lebensrettung schnell mal im Fiasko enden. mehr

Wie überlebenswichtig Arbeitssicherheit an Kältearbeitsplätzen sein kann, erfuhren die Zuhörer von Prof. Dr. Ing. Karsten Kluth. An der Universität Siegen wird seit einiger Zeit erforscht, welche physiologischen Merkmale beim Menschen für Arbeiten bei -24°C günstig oder ungünstig sind, wie sich Temperaturabfall auf den Menschen auswirkt und in welchem Ausmaß isolierende Schutzkleidung die verantwortbare Aufenthaltsdauer an kalten Arbeitsplätzen erhöhen kann. mehr

Prof. i.R. Dr. rer. nat. Heiner Bubb, Lehrstuhl für Ergonomie Technische Universität München, ging der Frage nach, wann ein Produkt nachgefragt wird. Die zwei Kriterien „angemessene Bedienbarkeit“ und „ästhetisches Komfortgefühl“, z.B. durch gelungenes Design erfüllt, sind ausschlaggebend, damit beim Verbraucher der Wunsch entsteht, das Produkt zu besitzen. mehr

Wie die Wissenschaftler zu ihren Erkenntnissen gelangen, stand im Mittelpunkt des Vortrages von Dipl.-Ing. Hartmut Mutschler. Er stellte wissenschaftliche Methoden der Ergonomen vor, thematisierte Probleme bei der Stichprobenauswahl, gab Anregungen für die Erhebung von Daten und der Definition von Forschungsgegenständen. mehr

Ergonomie berücksichtigt Individualität

Individualisierung ist ein wichtiges Thema bei den Ergonomen. Denn nicht für alle Menschen ist das gleiche gut. Eine individuelle Arbeitsplatzgestaltung im Vorfeld von Planungen künftiger Arbeitsplätze kann ein digitales Menschmodell bieten. An der Technischen Universität Dresden in der Fakultät Maschinenwesen nutzte man zahlreiche Erkenntnisse über den menschlichen Körper und seine Belastbarkeit und entwickelte daraus digitale Ergonomiesysteme, die es ermöglichen, Raumbeziehungen, auf den Menschen einwirkende Kräfte und Sehbedingungen interaktiv zu überprüfen. Prof. Dr.-Ing. Martin Schmauder erläuterte den aktuellen Entwicklungsstand. mehr

Von seiner Vision individueller Handgriffe für Werkzeuge berichtete Doktorand Aydin Ünlü. Mit seiner geplanten Forschungsarbeit an der Bergischen Universität Wuppertal, Abt. Maschinenbau, möchte er den Weg für eine individuelle Komfortoptimierung bei Handwerkzeuggriffen ebnen. mehr

Die Individualität des Menschen im kognitiven Bereich stand im Mittelpunkt des Vortrages von Dr. Rudolf Haller. Denkgewohnheiten als Problem und Chance in Mensch-Maschine-Interaktionen zu erkennen und die Ausgestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle an Bedien- und Lernverhalten anzupassen, war Thema des Ergonomen und Feldenkrais-Lehrers. mehr

Von der Wissenschaft zur Praxis

Die Forschungsergebnisse von Ergonomen nutzt beispielsweise das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft für die Entwicklung von praxisnahen Konzepten im Personalmanagement. So erläuterte Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser ein abgestimmtes Maßnahmepaket für eine zukunftsweisende demografiefeste Personalarbeit, die Aktionen zum Erhalt der Leistungsfähigkeit, zum Gesundheitsmanagement und zur Arbeitszeitgestaltung umfasst. mehr

Ein besonders anschauliches Beispiel für die Umsetzung von Forschungsarbeit in der Ergonomie präsentierte Dipl.-Ing. Jens Schüffler von der Firma CORWAY PLMsolutions GmbH. Mit Hilfe von 3D Visualisierung können Produktentwicklung und räumliche Planungen in Echtgröße in der Interaktion mit unterschiedlichen Menschmodellen getestet werden. Wartungsarbeiten zu simulieren und Personal in einer 3D-Umgebung zu schulen, bietet zahlreiche neue Möglichkeiten für Unternehmen, Geld einzusparen und Schaden an Personen zu verhindern. mehr

Mit interaktiver 3D-Planung beschäftigt sich auch die imk automotive GmbH. Gerson Heuwieser aus Chemnitz erläuterte in zahlreichen Fachgesprächen wie mit Hilfe einer Prozesssprache virtuelle Menschen in einer 3D-Umgebung Arbeitsprozesse simulieren. Grundlage für die Tätigkeit des Unternehmens ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Technischen Universität Chemnitz.

Auch das Unternehmen Weinberg&Ruf, das sich in der Fachausstellung vorstellte, setzt Wissen aus der Ergonomie ein, um ihre Produkte ergonomisch zu gestalten, d.h. Sicherheit, Wirksamkeit und Effizienz zu verbessern.

Die Agentur Graupner stellte ein tragbares Diagnosesystem vor, das mobile Langzeitmessungen von Haltung und Bewegung bei völliger Bewegungsfreiheit der Patienten bietet.

Ergonomie-Kompetenz-Netzwerk e.V. (ECN)

Das Resümee am Ende der Veranstaltung fiel vom Vorstand des ECN Dr.-Ing. Stephan Riedel positiv aus: „Wir sind sehr zufrieden mit unserer ersten Veranstaltung. In den Fachvorträgen ist sehr viel aktuelles Geschehen im Bereich der Ergonomie dargestellt worden und innerhalb des Rahmenprogramms haben die Teilnehmer die Möglichkeiten zum „Netzwerken“ genutzt — unseren Vereinsgedanken konnten wir also voll umsetzen.“ In dem gemeinnützigen Verein treffen Mitglieder aufeinander, die sich in Theorie und Praxis mit dem Thema Ergonomie befassen und Interesse haben, sich über ihre Themen auszutauschen.

Vorträge


Ergonomie und Design

Prof. Dr. Dipl.-Ing. Jürgen Held

"Das kann doch nicht wahr sein!" Verzweifelte Ausrufe dieser Art begleiten häufig den Versuch, neue Geräte zu bedienen und zu benutzen. Fallbeispiele aus den Bereichen der Medizintechnik, Krankenhausplanung und Verkehrsüberwachung zeigen exemplarisch Probleme der ergonomischen Gestaltung auf. Wie solche Fehler, die fatale Folgen nach sich ziehen können, bei der Projektplanung und Produktgestaltung entstehen, soll Hinweise auf Möglichkeiten der Verhinderung derartiger Versäumnisse aufzeigen. Ergonomie und Design in Gestaltungsprojekte integriert, setzt Synergien frei und führt zu besseren Lösungen.

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Kommissionierarbeiten in Tiefkühlhäusern

Prof. Dr.-Ing. Karsten Kluth

Die Anzahl der Kältearbeitsplätze in Deutschland wird auf etwa 1 Mio. geschätzt. Von diesen entfallen ca. 70% auf Tätigkeiten im Freien und 30% auf Arbeitsplätze in technisch gekühlten Räumen, z.B. Warenverteilzentren von Tiefkühlkost. Ergonomische Maßnahmen verbessern die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit in der Kälte. Aus betriebstechnischen Gründen sind jedoch bauliche Veränderungen an den Kühlzentren nur eingeschränkt möglich. Um die Belastung der Beschäftigten in vertretbaren Grenzen zu halten, deren Gesundheit zu erhalten und die Effizienz am Kältearbeitsplatz zu gewährleisten, können Verbesserungen bei der Kälteschutzkleidung und angepasste Arbeitszeit-Pausenregelungen beitragen.

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Ergonomie und Komfort

Prof. i.R. Dr. rer. nat. Heiner Bubb

Bei der Arbeitsplatz- und Produktionsergonomie sind die beteiligten Individuen bekannt. Eine Erhöhung der Leistung und zugleich Entlastung der Arbeitenden ist das Ziel von Maßnahmen in Unternehmen, das seine Belegschaft kennt. Anders ist es bei der Produktergonomie, die sich auf einen unbekannten Nutzer einstellen muss und eine große Variationsbreite an menschlichen Eigenschaften und Fähigkeiten berücksichtigen möchte. Welche Eigenschaften dazu führen, dass ein Produkt attraktiv ist und vom Konsumenten nachgefragt wird, hängt sowohl von seinen pragmatischen (Usability, Nutzen) als auch hedonischen Qualitäten (Gefallen) ab.

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Evaluierungsaspekte in der Ergonomie

Dipl.-Ing. Hartmut Mutschler

Ein Überblick über die Evaluierungstechnik der Ergonomie zeigt praktische Probleme auf, mit der der Empiriker zu rechnen hat. Eine typische Evaluierung reicht von der Fragestellung über die Hypothesenbildung und Versuchsplanung bis zur Anwendung statistischer Operationen. Einige Aspekte, die in der Praxis oft ungenügend Berücksichtigung finden oder die immer wieder in der empirischen Forschung Probleme bereiten, werden herausgegriffen. So ist z.B. die Operationalisierung, der Stichprobenumfang und die Effektgröße ausschlaggebend für die Interpretation der Ergebnisse.

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Arbeitsplatzgestaltung mit einem digitalen Menschmodell

Prof. Dr.-Ing. Martin Schmauder

Ergonomie ist die Anpassung der Technik an den Menschen. Dieses gilt auch für die unterschiedlichsten Arbeitsplätze wie z.B. Arbeitsplätze in Büros, an Produktionsanlagen, in Werkstätten, Leitwarten und an bzw. in Maschinen und Fahrzeugen. Es müssen unterschiedliche Arbeitsaufgabn erledigt werden und es arbeiten unterschiedliche Menschen an den Arbeitsplätzen. Mittels digitaler Ergonomiesysteme (CAD man models) können bereits im Entwicklungsstadium unterschiedliche Einsatzszenarien mit unterschiedlichen Populationen überprüft werden. Maße, Kräfte und Sehbedingungen können inzwischen interaktiv überprüft und optimiert werden. Durch den Einsatz in frühen Planungsstadien kann der spätere Änderungsaufwand reduziert werden. In dem Beitrag werden der aktuelle Entwicklungsstand sowie die verfügbaren Vorgehensweisen aufgezeigt.

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Verfahren zur Optimierung des Griffkomforts bei Arbeitsmitteln

M. Sc. Aydin Ünlü

Vorgestellt wird ein Forschungsvorhaben an der Bergischen Universität Wuppertal. Für die Entwicklung eines Verfahrens zur Optimierung des Griffkomforts bei Arbeitsmitteln sollen zuerst Druckgrenzen auf das Komfortempfinden zwischen Hand und Arbeitsmittel ermittelt werden. Dabei sind die Druckgrenzen in verschiedenen Handbereichen, von jungen sowie von älteren Personen, zu untersuchen und daraus komfortable Druckwerte zu ermitteln. Diese komfortablen Druckwerte können zur Beurteilung der Druckverteilung für das Greifen verwendet werden. Basierend auf den Druckwerten soll ein Simulationswerkzeug entwickelt werden, das die Griffentwicklung bereits im Rechner ermöglicht. Als Simulationswerkzeug dient ein Finite Elemente Modell der menschlichen Hand, das einer greifenden Hand entspricht. Dabei sind z.B. altersspezifische Veränderungen in das digitale Handmodell einzubinden. Abschließend soll anhand eines Anwendungsbeispiels die Möglichkeit der altersgerechten Arbeitsmittelgestaltung mit Hilfe des Simulationswerkzeugs aufgezeigt werden.

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Gewohnheiten als Problem und Chance - Von der Human Machine Interaction (HMI) zur Human Computer Interaction (HCI)

Dr. Rudolf Haller

Normalerweise wird das Thema HMI verbunden mit Themenfeldern wie Konsistenz, Benutzungsfreundlichkeit, Selbsterklärungsfähigkeit. Über Testszenarien wird meist mit "naiven Benutzern" die Tauglichkeit im Sinne von Erlernbarkeit und Übertragbarkeit der verwendeten starren Interaktionsprinzipien getestet. Der reale Benutzer nutzt meist nur einen sehr eingeschränkten Teil der verfügbaren Funktionen und muss die in der Interaktionsstruktur vorhandenen aber nicht verwendeten Funktionen als Ballast mitschleppen. Manuelle Aktivitäten von Menschen sind meist durch individuelle Gewohnheiten bestimmt, die großenteils nicht bewusst ablaufen. Gewohnheiten sind bquem, solange sie ihren Zweck erfüllen, da sie "ohne" bewusste Kontrolle ausgeführt werden. Gewohnheiten im Umgang mit Maschinen konnten sich bisher allenfalls im zeitlichen Ablauf oder in der eingesetzten Kraft ausprägen. Parallel zum GUI (Graphical User Interface) hat sich die HMI von einer starren Interaktionsstruktur zu einer flexiblen Interaktionssprache entwickelt, die für gleiche Funktionen eine Vielzahl gleichwertiger Zugänge bietet. Diese Vielfalt bietet Raum für die Ausprägung von individuellen Gewohnheiten. Bemerkt wird dies, wenn durch eine Software-Änderung vertraute "Pfade" nicht mehr wie gewohnt funktionieren. Starre Gewohnheiten bewusst zu machen und in einem stimmigen Lernkontext Alternativen aufzuzeigen ist Aufgabe einer geeigneten Lernumgebung. Das Thema wird aus den Blickwinkeln eines Ergonomen einerseits und Feldenkrais-Lehrers andererseits betrachtet.

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Handlungsfelder eines demografiefesten Betriebes

Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser

Thema des Vortrages ist der Wandlungstreiber Demografie für Unternehmen. Wie können Unternehmen aktiv werden, um in ihrer Personalarbeit erfolgreich zu sein? Zunehmend mehr ältere Beschäftigte in den Unternehmen werfen Fragen auf, wie leistungsfähig die älteren Mitarbeiter sind und wie die Unternehmen den Erhalt der Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter unterstützen können. U.a. sind Gesundheitsmanagement und Arbeitszeitkonzepte Handlungsfelder, in denen Unternehmen für ihren demografiefesten Personalbestand arbeiten können.

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Digital Engineering

Dipl.-Ing. Jens Schüffler

Unter dem Begriff Digital Engineering sind digitale Methoden und Werkzeuge zusammengefasst, die beim Produktentstehungs- und Produktionsprozess verwendet werden können. Durch den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Entwicklung und Planung ist zu einem früheren Zeitpunkt mehr abgesichertes Wissen über Funktionen, Prozesse und Kosten verfügbar. Nach der Philosophie: "So viel wie nötig und so wenig wie möglich!" zielen die digitalen Werkzeuge, die von Corway PLM Solutions entwickelt und angewandt werden auf die Integration der Kerngeschäftsprozesse REM - PDM - SCM - MES ab. Im Vortrag wurde zum einen ein digiales Werkzeug des Informationsmanagements, das iPDF, zum anderen die Anwendung von 3D Visualisierung entlang aller Geschäftsprozesse dargestellt.

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Fotostrecke

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Nachbericht und Auszüge aus den Vorträgen: Dipl.-Verwiss. Christina Köhler: http://www.knowledge-construction.de/