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Tage der Ergonomie 2014

Das Ergonomie-Kompetenz-Netzwerk e.V. (ECN) hatte am 3. und 4. April 2014 nach Friedrichshafen am Bodensee eingeladen. Das Netzwerk bot an diesen beiden Tagen eine Plattform, auf der sich Wissenschaftler, Unternehmer und Dienstleister zum Thema Ergonomie austauschen konnten.

Veranstaltung

Das Ergonomie-Kompetenz-Netzwerk e.V. (ECN) hatte am 3. und 4. April 2014 nach Friedrichshafen am Bodensee eingeladen. Die Kombination aus Fachwissen und Praxiserfahrungen, die Teilnehmer in Vorträgen und gegenseitigem Austausch gewannen, erweiterte den eigenen Blickwinkel zum Ergonomie-Thema. Mit frischen Impulsen und neuen Kontakten versehen, versprachen viele Teilnehmer, bei der Veranstaltung im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Berufe Zahnarzt, Waldarbeiter und Feuerwehrmann aus ergonomischer Sicht

Welche konkreten Auswirkungen es haben kann, wenn sich Ergonomen mit einzelnen Berufsgruppen beschäftigen, zeigten drei Beiträge zu den Themen Zahnärzte, Waldarbeit und Feuerwehr. „Zahnmedizin und Rückenschmerzen gehören zusammen wie Bergbau und Staublunge“ Dass dieses Zitat aus einem Internet-Blog von Zahnärzten nicht mehr als Binsenweisheit betrachtet wird, dafür engagiert sich der langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Arbeitswissenschaft und Zahnheilkunde“ der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) Prof. Rotgans seit Jahrzehnten. Mehr zur Ergonomie in der Zahnarztpraxis

Welchen Belastungen die Waldarbeiter ausgesetzt sind und wie sie körperlich einen kräftezehrenden Arbeitstag bewältigen, ermittelte Prof. Bombosch mit Hilfe eines eigens dafür entwickelten Messsystems. Untersuchungen zu Immissionen von Motorsägen sensibilisierten Hersteller und Arbeitgeber für Gefährdungen der Waldarbeiter durch Schadstoffe. Die Berufsgruppe der Waldarbeiter ist außerdem durch folgenschwere Arbeitsunfälle gefährdet, häufig ausgelöst durch Stolpern, das durch schlechte Sicht begünstigt wird. Eine neue Brille, die Sichtverhältnisse im Wald und physiologische Eigenheiten des menschlichen Auges berücksichtigt, schafft Abhilfe. Mehr zur Waldarbeit

Prof. Kluth von der Universität Siegen beschäftigte sich mit dem Wasserdruck in Löschschläuchen von Feuerwehren. Mit welchem maximalen Wasserdruck die Feuerwehrleute ihre Schläuche noch beherrschen und ein sicheres Löschergebnis erzielen können, konnte Kluth mit seinem Team in einer Studie mit hauptamtlichen Feuerwehrmännern ermitteln. Neue Normierungen zum maximalen Wasserdruck können sich auf diese Studie stützen. Mehr zum Wasserdruck in Feuerwehrschläuchen

Mit Ergonomie gelingt Arbeit besser

Während im Arbeitsschutz Handlungsbedarf abgeleitet wird, wenn eine Gefährdung besteht, werden Ergonomen in Sachen Arbeitssicherheit bereits aktiv, wenn eine Schädigung zu erwarten ist. Prof. Schmauder von der TU Dresden beschreibt die unterschiedlichen Vorgehensweisen von Fachleuten aus dem Arbeitsschutz und Ergonomen. Mehr zu Ergonomie und Arbeitschutz

Den Ergonom und Feldenkraislehrer Rudolf Haller interessiert, inwieweit auch Nicht-Ergonomen durch Schulung in die Lage versetzt werden können, ergonomische Arbeitsplatzbewertungen vorzunehmen. Er stellte verschiedene Methoden der Arbeitsplatzbewertung vor und legte dar, wo für "Laien" die Möglichkeiten und Grenzen liegen. Mehr zu Ergonomie und Methoden der Arbeitsplatzbewertung

Frank Lennings vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) beschäftigt sich mit Möglichkeiten durch Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung den Menschen bei der Arbeit in den Mittelpunkt zu rücken. Ergonomische Arbeitszeiten sind insbesondere flexible Arbeitszeiten, die individuelle Wünsche und notwendige Anforderungen, z.B. bei Alter und Krankheit, berücksichtigen. Mehr zur Ergonomie und Arbeitszeitgestaltung

Sitzen und Sitze

Sitzkomfort beim Autofahren ist das Thema von Dr.-Ing. Christian Mergl. Die Entwickler von Autositzen suchen nach messbaren Größen zur Bestimmung des Sitzkomforts. Unter den Größen Haltung, Mikroklima, Schwingung und Druckverteilung hat sich die Größe Druckverteilung zur besten Kenngröße zur Bestimmung des Sitz(dis)komforts in der Sitzentwicklung herauskristallisiert. Mehr zum Sitzkomfort

Aus der Posterausstellung

Individuelle Handgriffe für handgeführte Werkzeuge ist Ziel einer Forschungsarbeit an der Bergischen Universität Wuppertal. Doktorand Aydin Ünlü stellte vor, wie eine Komfortoptimierung bei Handgriffen erreicht werden kann. Mehr zum Griffkomfort

Die Ergonomie.Experten interessiert u.a. wie die Gebrauchstauglichkeit von Produkten gewährleistet werden kann. Denn problematische Mensch-Maschine-Schnittstellen beeinträchtigen die richtige Verwendung von Produkten, führen zu Unfällen und Verschwendung. Mit Hilfe eines Usability Basis Checks werden Usability Themen offengelegt. Mehr zu Usability

Vorträge


Zurück zur Balance - Das breitere Konzept der zahnärztlichen Ergonomie

Prof. Dr. drs. drs. Jerome Rotgans

Die Gestaltung der Behandlungsstühle zwang Zahnärzte in der Vergangenheit zu einer permanent schiefen Arbeitshaltung infolgedessen viele nach langjähriger Berufstätigkeit über Skelett- und Muskeldeformationen litten. Die modernen Behandlungsstühle sind zwar ergonomischer, doch viele Zahnärzte sind nach wie vor berufsbedingt mit Rückenschmerzen geplagt. Eine Ausstattung der Zahnarztpraxen nach ergonomischen Gesichtspunkten und darüber hinausgehende Maßnahmen sollen den Zahnarztberuf "schmerzfrei" gestalten.

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Waldarbeit ist Schwerstarbeit: Ergononomische Messtechniken — Instrumente zur Arbeitsgestaltung

Prof. Dr. Bombosch

Waldarbeit ist körperlich anstrengend. Ein mobiles Messsystem ist entwickelt worden, um diese Belastungen einschätzen zu können. Zur physischen Belastung kommen Kohlenmonoxidemissionen von Motorsägen hinzu, die die Waldarbeiter beeinträchtigen. Doch diese "unsichtbare" Gefahr musste erst sichtbar gemacht werden.

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Physiologisch ausführbare und technisch sichere Hochhausbrandbekämpfung

Prof. Dr.-Ing. Karsten Kluth

Für fest installierte Löschwasserversorgungsanlagen in Hochhäusern und ausgedehnten Liegenschaften gibt es weder national noch international einheitliche Regelungen über den Wasserdruck in den Löschrohren. Tests sollten die Frage beantworten, wie hoch der Wasserdruck eingestellt werden soll, um eine physiologisch ausführbare und sichere Innenraumbrandbekämpfung zu gewährleisten. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, dass für viele Strahlrohre ein bestimmter minimaler Arbeitsdruck vorgegeben wird, dieser aber nach oben hin begrenzt werden muss, um eine sichere Führung des Strahlrohres durch den Brandbekämpfer zu gewährleisten. Ziel war die Ermittlung der physiologischen Beanspruchungsreaktionen bei unterschiedlichen Wasserdrücken und Volumenströmen, um daraus den zulässigen Maximaldruck bei gegebener Wassermenge für die Brandbekämpfung abzuleiten.

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Ergonomiebewertung als Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung

Prof. Dr.-Ing. Martin Schmauder

Der Arbeitsschutz ist gesetzlich im Arbeitsschutzgesetz geregelt. Leben und Gesundheit der Arbeitnehmer sollen nach einer Gefährdungsbeurteilung geschützt werden. In der Ergonomie sind es Belastungen und Beanspruchungen, die Grundlage für die Verbesserung und die Optimierung von Arbeit darstellen. Ergonomen bewerten die Arbeit nach einer mehrstufigen Kriterienhierarchie mit dem Ziel der menschengerechten Gestaltung. Im Arbeitsschutz geht es im engeren Sinne um die Vermeidung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen, indem Gefährdungen beurteilt und Maßnahmen entsprechend der fünfstufigen Maßnahmenhierarchie ergriffen werden. Ergonomische Kriterien in der Gefährdungsbeurteilung führen zu Arbeitsschutzmaßnahmen, die einen vorbeugend schonenden Umgang mit der Ressource Mensch vermitteln.

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Praxiserfahrungen mit Methoden zur Arbeitsplatzbewertung

Dr. Rudolf Haller

Welche Aspekte einer Arbeitsplatzbewertung besonders leicht auch für „Nicht-Ergonomen“ verständlich und handhabbar sind, basiert auf der Erfahrung einer Reihe von Ergonomie-Schulungen und in der Praxis angewendeten Methoden. Mit welchen Hilfsmitteln sich die zeitliche Analyse eines Arbeitsprozesses, aber auch die Haltungsanalyse verbessern lassen, steht im Mittelpunkt der Überlegungen. Unter der Überschrift Verhältnis- versus Verhaltensprävention wird verdeutlicht, dass viele Bewertungsverfahren ein Mix aus Belastungskenngrößen und Beanspruchungsdaten sind. Deshalb ist es gerade auch bei der Haltungsbewertung wichtig, individuelle Gewohnheiten mit zu betrachten und für eine ergonomische Verbesserung einer Arbeitssituation auch die Eigenwahrnehmung und Haltungskontrolle einzubeziehen.

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Ergonomische Arbeitszeitgestaltung

Dr.-Ing. Frank Lennings

Ausgehend vom demografischen Wandel wird sich die Struktur der Erwerbstätigen verändern. Eine steigende Anzahl älterer Arbeitnehmer und eine breitere Streuung individueller Merkmale erfordert Reaktionen der Unternehmen. Arbeitszeitgestaltung kann einen Betrag zur Zufriedenheit der Beschäftigten leisten und ein längeres Erwerbsleben ermöglichen.

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Messung des Sitzkomforts

Dr.-Ing. Christian Mergl

Eine zentrale Frage in der Entwicklung neuer Sitze ist der Sitzkomfort. Entwickler beschäftigen sich intensiv mit Möglichkeiten, den Sitzkomfort objektiv zu messen. Deshalb sind Modelle, die einen Zusammenhang von objektiven Messgrößen und subjektiver Empfindung herstellen und somit eine virtuelle Vorhersage des Sitzkomforts erlauben, im Fokus der Entwickler. Mergl betrachtet die Messgrößen Haltung, Mikroklima, Schwingungen und Druckverteilung zur Erfassung des Sitzkomforts. Er kommt zu dem Schluss, dass die Druckverteilung zur Zeit die beste Kenngröße zur Bestimmung des Sitz(dis)komforts in der Sitzentwicklung liefert.

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Poster


Griffkomfortoptimierung

M. Sc. Aydin Ünlü

Die Methode zur Griffkomfortoptimierung auf Basis eines digitalen Handmodells wurde exemplarisch an einem Rinneneisenbieger abgeleitet. Die Methode unterteilt sich auf die Komfortanalyse und in die Komfortoptimierung.

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Usability Basis Check: Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit von Produkten erkennen

Christina Köhler

Die Methode zur Griffkomfortoptimierung auf Basis eines digitalen Handmodells wurde exemplarisch an einem Rinneneisenbieger abgeleitet. Die Methode unterteilt sich auf die Komfortanalyse und in die Komfortoptimierung.

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Fotostrecke

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Nachbericht und Auszüge aus den Vorträgen: Dipl.-Verwiss. Christina Köhler: http://www.knowledge-construction.de/