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Tage der Ergonomie 2015

Das Ergonomie-Kompetenz-Netzwerk e.V. (ECN) hatte am 12. und 13. März 2015 nach Friedrichshafen am Bodensee eingeladen. Im Rahmen des Kongresses des ECNs ist mit einem Festakt auf Schloss Montfort der erste Ergonomiepreis des Netzwerkes an Vertreter der Grammer AG überreicht worden.

Der Kongress, der sich in diesem Jahr durch besonders lebendige Diskussionen auszeichnete, bestand aus 7 Vorträgen zu unterschiedlichen ergonomischen Themen und einer Posterausstellung. An zwei Tagen bot der Kongress so eine Plattform, auf der sich Wissenschaftler, Unternehmer und Dienstleister zu ergonomischen Themen austauschen konnten.

Vorträge

Vortragsübersicht

Bei 2 Vorträgen standen Berufsgruppen im Fokus der ergonomischen Betrachtung: Prof. Dr. Friedbert Bombosch zeigte zusammen mit Dipl.-Ing. Holger Sturhan eindrucksvoll, welche Durchschlagskraft auch kleine Äste haben und welche Gefährdungspotentiale in der forstlichen Praxis daraus entstehen. Durch Messungen haben sie nachgewiesen, welcher Gesichtsschutz für die forstliche Praxis geeignet ist. Zusätzlich entwickelten sie einen Design-Vorschlag für Visiere, der diese verbessern würde.

Prof. Dr. drs. drs. Jerome Rotgans beschrieb wie Rückenprobleme bei Zahnärzten entstehen und veranschaulichte die Zusammenarbeit des Zahnarztes mit einer Assistenzkraft spontan mit einem Teilnehmer der Veranstaltung.

Mit den Themen Schwingungen und Hören beschäftigten sich zwei andere Ergonomen: Dr.-Ing. F. Gillmeister stellte ein Messsystem zur genaueren Ermittlung der Vibrationssensibilität vor. Das nicht auf dem Markt erhältliche Gerät konnte später von den Teilnehmern vor Ort getestet werden. Dr.-Ing. Mario Penzkofer von der Universität Siegen ließ seine Zuhörer mit Hilfe vieler Hörproben selbst erfahren, welche Informationen hinter akustischen Signalen stecken.

Prof. i.R. Dr. rer.nat. habil. H. Bubb, Lehrstuhl für Ergonomie an der Technischen Universität München, gab einen Überblick über Handlungsfelder in der Medizintechnik von Stolperfallen im Operationssaal bis hin zur Krankenpflege mit Robotern.

Wie im praktischen Entwickleralltag die richtigen Kräfte für die Betätigung von Geräten und Bedienelementen gefunden werden können, erläuterte Dr.- Ing. Stephan Riedel am Beispiel eines Selbstinjektors für Diabetiker. Dem Thema „gesundes Liegen“ widmete sich Prof. Dr.-Ing. Martin Schmauder in seinem Vortrag über ergonomische Matratzengestaltung, die unterschiedliche Menschen in verschiedenen Schlafhaltungen berücksichtigt.


DIN – Maß aller Dinge: Ein Arbeitsschutz-/Gesichtsschutzbeispiel aus der forstlichen Praxis

Prof. Dr. Bombosch und Dipl. Ing. FH Holger Sturhan

Zum derzeit benutzten Gesichtsschutz in der forstlichen Praxis konnten im Rahmen ergonomischer Studien an der HAWK (Fakultät Ressourcenmanagement) neue Erkenntnisse für eine höhere Sicherheit gewonnen werden. Prof. Dr. Friedbert Bombosch und Dipl. Ing. FH Holger Sturhan konnten unter Einbezug einer Bachelorarbeit (Christian Wachsmuth) die Sicherheit von Gesichtsschutz konkretisieren.

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Zurück zur Balance - Das breitere Konzept der zahnärztlichen Ergonomie

Prof. Dr. drs. drs. Jerome Rotgans

Die Gestaltung der Behandlungsstühle zwang Zahnärzte in der Vergangenheit zu einer permanent schiefen Arbeitshaltung infolgedessen viele nach langjähriger Berufstätigkeit über Skelett- und Muskeldeformationen litten. Die modernen Behandlungsstühle sind zwar ergonomischer, doch viele Zahnärzte sind nach wie vor berufsbedingt mit Rückenschmerzen geplagt. Eine Ausstattung der Zahnarztpraxen nach ergonomischen Gesichtspunkten und darüber hinausgehende Maßnahmen sollen den Zahnarztberuf "schmerzfrei" gestalten.

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Psychoakustische Analysen zur Steigerung der Usability von Medizinprodukten

Dr.-Ing. Mario Penzkofer

Während eines Arbeitstages werden Ärzte und medizinisches Personal mit einer Vielzahl an Klängen und Geräuschen konfrontiert. In der Medizintechnik spielt die gezielte Gestaltung akustischer Feedbacks (Sounddesign) dagegen erst eine kleine Rolle. Eine Bestandsaufnahme.

Vortragsfolien

Medizintechnik - eine Herausforderung an die Ergonomie

Prof. i.R. Dr. rer. nat. Heiner Bubb

Mensch-Maschine-Schnittstellen im medizinischen Bereich entstehen zum einen bei der medizinischen Versorgung von Patienten und zum anderen bei der Selbstversorgung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Der folgende Beitrag zeigt auf, mit welchen Themen sich die Ergonomie beschäftigt und weist auf ein paar Fallstricke bei der Geräteentwicklung hin, die im medizinischen Bereich gravierende Auswirkungen auf die betroffenen Menschen haben können.

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Gesundes Liegen durch ergonomische Matratzengestaltung

Prof. Dr.-Ing. Martin Schmauder

Bei den gängigen Matratzen finden in der Regel weder die Körpermaße des Schläfers noch seine Schlafgewohnheiten Berücksichtigung. Mit Hilfe eines digitalen Menschmodells sind an der Technischen Universität Dresden Menschen unterschiedlicher Körpermaße in verschiedenen Schlafhaltungen modelliert worden, um daraus Vorschläge zur Zonengestaltung abzuleiten. Ein nach diesen Kriterien gestalteter Matratzen-Prototyp ist dann mit Druckmessungen und Tests in einem Schlaflabor bewertet worden.

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Aus der Posterausstellung

Wer zum Kongress ein Poster über seine Arbeit mitbrachte, erhielt Gelegenheit seine Forschungen darzustellen. Zahlreiche Anmerkungen und Tipps aus den Reihen des Fachpublikums führten zu interessanten Diskussionen. Die breitgefächerten Themen in der Fachausstellung zeigten, wie sehr das Thema Ergonomie mit interdisziplinären Ansätzen in den verschiedensten Bereichen Berücksichtigung findet. Dr. Christina Umstätter und Marianne Cockburn von der Agroscope, dem Schweizer Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, stellten ergonomische Probleme aus dem landwirtschaftlichen Bereich vor: Stress in der Landwirtschaft und Ergonomie beim Melken.

Zwei Jungwissenschaftler der BMW Group aus München referierten über ergonomische Themen von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie. Christian Boekels befasst sich mit Schraubarbeitsplätzen während Fabian Schröter klimatische Belastungen an Produktionsarbeitsplätzen untersucht. Eine Untersuchung der Universität Siegen über Schallemissionen in Freizeitorchestern verdeutlichte zudem die Gefahren für das Gehör von Freizeitmusikern, die nicht unter dem gleichen Schutz von Arbeitsvorschriften wie die Berufsmusiker stehen.


Psycho-physiologische Arbeitsbeanspruchung in der Landwirtschaft

Christina Umstätter

Am Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften bei Agroscope forschen Wissenschaftler über Belastungen und Beanspruchungen von Arbeitenden in der Landwirtschaft. Die physischen und psychischen Beanspruchungen in der Landwirtschaft werden mit elektromyografischen Messungen quantifiziert. Damit sollen Zusammenhänge zwischen physischen und psychischen Belastungen aufgedeckt und im weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit in der Landwirtschaft entwickelt werden.

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Ergonomie beim Melken

Marianne Cockburn

Die Grubentiefe beeinflusst beim Melken die Körperhaltung der Melker. Zu tiefe oder zu niedrige Gruben beeinträchtigen den Arbeitskomfort und führen auf Dauer zu massiven Rückenbeschwerden. Thema der Forschungen an der Agroscope sind elektromyographische Messungen an Muskeln, die beim Melken relevant sind, um eine ideale Grubentiefe bestimmen zu können.

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Schallimmissionen im Orchester – eine unterschätzte Gefahr für Freizeitmusiker?

B. Sc. Florian Finé

In Deutschland engagieren sich ca. 650 000 aktive Musiker in 24 000 Orchestern, darunter ca. 18 500 Blasorchester oder Spielmannszüge. Insbesondere sinfonische Blasorchester weisen dabei meist eine große Besetzung von über 50 Musikern auf und überzeugen durch ihr breites Klangspektrum. Um den kritischen Zuhörern gerecht zu werden, sind zahlreiche Proben nötig, die meist in geschlossenen und zu kleinen Räumen durchgeführt werden müssen. Durch diese Studie soll herausgearbeitet werden, wie hoch die Schallimmissionen in verschiedenen Proben tatsächlich sind, ob dadurch nachweisbare Beeinträchtigungen des Gehörs für Freizeitmusiker bestehen und ob sich die Musiker der möglichen Gefahren für das Gehör überhaupt bewusst sind.

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Ergonomiepreis

Das ECN verlieh den Ergonomiepreis 2015 an die Grammer-AG. Ausgezeichnet wurde der Traktorsitz „MAXIMO“ mit adaptiver Rückenverlängerung zur Minimierung der Belastung des Fahrers.

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Fotostrecke

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Nachbericht und Auszüge aus den Vorträgen: Dipl.-Verwiss. Christina Köhler: http://www.knowledge-construction.de/